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Peter Strutynski, bis auf Weiteres nicht aktualisiert werden. Er steht jedoch weiterhin als Archiv mit Beiträgen aus den Jahren 1996 – 2015 zur Verfügung.
Somalia: Chronik wichtiger Ereignisse
Oktober/November/Dezember 2007
Oktober
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Während ihres Besuchs in Äthiopien hat Angela Merkel am 4. Okt. größere Anstrengungen der afrikanischen Länder bei der Bekämpfung der Konflikte in Darfur und Somalia gefordert. Die Kanzlerin rief die deutsche Wirtschaft zu Investitionen auf.
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Knapp eine Woche nach seiner Festnahme ist ein hochrangiger UN-Mitarbeiter in Somalia wieder freigelassen worden. "Er ist sicher zurück", sagte ein UN-Vertreter am 23. Oktober in der somalischen Hauptstadt Mogadischu. Der Büroleiter des Welternährungsprogramms der UNO, Idris Osman, war am vergangenen Mittwoch (17. Okt.) von somalischen Sicherheitskräften festgenommen worden, die das UN-Gelände gestürmt hatten. Das WFP hatte danach die Verteilung von Lebensmitteln für mehr als 70.000 Somalier gestoppt, die durch Kämpfe seit Januar vertrieben worden waren. Die Hilfsorganisation kritisierte, dass Osman ohne Begründung von den Behörden festgehalten wurde.
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In der somalischen Hauptstadt Mogadischu ist es nach Informationen des britischen Nachrichtensenders BBC zu den schwersten Kämpfen seit Monaten gekommen. Bei den Kämpfen zwischen äthiopischen Soldaten und islamistischen Milizen seien mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen, berichtete die BBC am 27. Okt. Im Dezember 2006 hatten Regierungssoldaten in Somalia mit Hilfe Äthiopiens die Herrschaft der Islamisten gebrochen und sie zur Flucht gezwungen. Seitdem liefern sich beide einen Guerillakrieg.
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Die politische Krise im von andauernden Kämpfen erschütterten Somalia hat sich mit dem Rücktritt des Übergangsregierungschefs Ali Mohammed Gedi Montag zugespitzt. Gedi reichte am 29. Okt. seinen Rücktritt ein, wie ein hochrangiger Mitarbeiter des Präsidialamtes, der anonym bleiben wollte, der Nachrichtenagentur AFP sagte. Der seit 2004 amtierende Gedi zog damit offenbar in der seit Wochen andauernden Machtprobe mit Präsident Abdullahi Ahmed Jusuf den Kürzeren. "Ich beglückwünsche Herrn Gedi zu seiner Entscheidung", sagte Jusuf demnach vor dem Übergangsparlament in Baidoa. Er habe Gedis Stellvertreter Salim Alijow Ibrow vorläufig zum Ministerpräsidenten bestellt, wollte aber nach Beratungen einen anderen Regierungschef bestimmen.
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In der somalischen Hauptstadt Mogadischu sind nach Angaben der Vereinten Nationen rund 36.000 Menschen vor der neuerlichen Gewalt geflohen. Hunderte weitere Familien aus der Umgebung des größten Marktplatzes der Stadt bereiteten sich auf eine Flucht vor, wie das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) am 30. Okt. in Genf erklärte.
Einige Bewohner seien von den Behörden aufgefordert worden, wegen einer bevorstehende Operation der Sicherheitskräfte vier Bezirke in der Umgebung des Marktes zu räumen, sagte UNHCR-Sprecherin Jennifer Pagonis. Viele hätten ihre Lebensgrundlage verloren, seit der Markt am Wochenende geschlossen worden sei. Ziel der meisten Flüchtlinge ist nach Angagen des UNHCR die Ortschaft Afgoye, rund 30 Kilometer westlich von Mogadischu. Dort leben bereits rund 100.000 Menschen, die in den vergangenen Monaten aus ihren Häuser in Mogadischu vertrieben wurden.
Der somalische Präsident Abdullahi Yusuf ernannte unterdessen einen neuen Ministerpräsidenten. Salim Aliyow Ibrow soll vorläufig den zurückgetretenen Regierungschef Ali Mohamed Gedi ersetzen. Der neue Ministerpräsident forderte ein Ende der Krise in Somalia und rief die Menschen zum Dialog auf.
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Bei der Abwehr eines Piratenangriffs auf einen Frachter vor der Küste Somalias sind mindestens zwei der Angreifer getötet und fünf verhaftet worden. Drei Besatzungsmitglieder des nordkoreanischen Schiffes wurden schwer verletzt. Die bewaffneten Männer brachten den Frachter nur für kurze Zeit in ihre Gewalt. Ein am Horn von Afrika stationierter Zerstörer der US-Streitkräfte kam ihnen nach US-Angaben vom 30. Okt. zur Hilfe und entsandte einen Hubschrauber, dessen Besatzung die Piraten zur Aufgabe aufforderte.
Daraufhin konnten die 22 Besatzungsmitglieder die Piraten zurückschlagen und das Schiff in den Hafen von Mogadischu zurücksteuern, wie die Behörden mitteilten. In der Region kommt es immer wieder zu Überfällen von Piraten auf Handelsschiffe. Das Internationale Meeresbüro (IMB) hat deshalb die in der Region patrouillierenden westlichen Marineverbände, darunter auch die Bundesmarine, und die somalischen Behörden aufgerufen, verstärkt gegen die Piraten vorzugehen.
November
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Schwere Kämpfe zwischen äthiopischen Truppen und Rebellen in der somalischen Hauptstadt Mogadischu haben nach UN-Angaben in der vergangenen Woche rund 90.000 Menschen von dort vertrieben. Obwohl die Gewalt inzwischen wieder zurückgegangen sei, bleibe die Lage angespannt, sagte die Sprecherin des Flüchtlingshilfswerks UNHCR, Jennifer Pagonis, am 2. Nov. in Genf. Nach Angaben einer Sprecherin des Welternährungsprogramms (WFP) stellen sich die Flüchtlinge offenbar auf eine längere Abwesenheit aus Mogadischu ein. Viele hätten entlang der Straße in die 30 Kilometer entfernte Stadt Afgooye Notunterkünfte errichtet. Laut WFP wurden dort bereits etwa 2500 Tonnen Lebensmittel an die mehr als 100.000 Flüchtlinge verteilt.
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Vor der Küste des Jemen sind 40 Flüchtlinge aus Somalia ertrunken, die von Schleppern ins Meer geworfen worden waren. Das teilte das Verteidigungsministerium in Sanaa am 3. Nov. mit. Die Flüchtlinge wurden demnach an der Einfahrt zum Golf von Aden tot aufgefunden.
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Ein halbes Jahr nach einem Überfall am Horn von Afrika haben somalische Piraten zwei Schiffe wieder freigegeben. Die US-Marine begleitete die beiden Schiffe unter der Flagge Tansanias am 4. Nov. in sichere Gewässer, wie Sprecherin Lydia Robertson erklärte. Niemand der 24 Besatzungsmitglieder sei verletzt worden. Die Piraten hatten die Schiffe am 15. Mai überfallen und unter ihre Kontrolle gebracht. Sie verhandelten mit Vertretern der US-Marine, bevor sie die Schiffe schließlich aufgaben und in Booten nach Somalia zurück segelten. Robertson forderte Piraten an Bord von drei weiteren Schiffen in der Region auf, ebenfalls nach Somalia zurückzukehren.
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Heftige Gefechte zwischen Aufständischen und äthiopischen Truppen haben in Somalia innerhalb eines Tages mindestens 50 Menschen das Leben gekostet. Augenzeugen sagten am 9. Nov., die Leichen von 34 Menschen seien im Norden und Süden der Hauptstadt Mogadischu gefunden worden. Weitere zehn seien von äthiopischen Soldaten getötet worden. Sechs kamen den Angaben zufolge ums Leben, als Granaten ihre Häuser trafen. Präsidentensprecher Hussein Mohamed Mohamud kündigte harte Strafen für die Aufständischen an. Ihr Ziel sei es, die Gefechte als einen Krieg zwischen Äthiopiern und Somaliern darzustellen. Tatsächlich kämpften jedoch Regierungstruppen und ihre äthiopischen Freunde gegen Feinde des Friedens. Die jüngsten Gefechte begannen am Donnerstag, als äthiopische Soldaten versuchten, die Leiche eines Kameraden im Süden Mogadischus zu bergen. Hunderte Demonstranten riefen antiäthiopische Parolen und zerrten die Leichen rund acht Kilometer durch die Straßen.
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Vor dem Hintergrund zunehmender Kämpfe in Somalia hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon den Einsatz einer UN-Friedenstruppe abgelehnt. Er hat dem UN-Sicherheitsrat am 9. Nov. die Entsendung einer schwer bewaffneten internationalen Eingreiftruppe vorgeschlagen. Der Sicherheitsrat hatte die Vereinten Nationen im August mit der Planung eines Friedenseinsatzes beauftragt, um die überforderten Soldaten der Afrikanischen Union (AU) abzulösen. In Anbetracht der komplexen Sicherheitslage und der politischen Situation des Landes, könne ein UN-Friedenseinsatz nicht als "realistische oder gangbare Möglichkeit" betrachtet werden, beschied Ban den Sicherheitsrat. Daher plädiere er entweder für eine militärisch robuste internationale Truppe oder eine Koalition der Willigen, erklärte Ban in einem Bericht an das UN-Gremium.
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Die somalische Hauptstadt Mogadischu versinkt immer tiefer in Chaos und Gewalt. Bei Kämpfen zwischen islamistischen Aufständischen und den von äthiopischen Soldaten unterstützten Regierungstruppen starben von Donnerstag bis Samstag (8.-10. Nov.) mindestens 80 Menschen, wie Augenzeugen und Ärzte berichteten. Mittlerweile wissen die Krankenhäuser nicht mehr wohin mit den Verwundeten. Es fehle an Medizin, Betten und Platz, erklärten Ärzte.
Die jüngsten Kämpfe hatten am 8. Nov. ihren Anfang genommen, als äthiopische Truppen damit begannen, in einem als Hochburg der Islamisten bekannten Viertel zu patrouillieren. Zwei Äthiopier wurden getötet, später wurde der verstümmelte Leichnam des einen Soldaten durch die Straßen gezogen. Die äthiopischen Streitkräfte schossen daraufhin Panzergranaten in des Viertel und trafen einen Markt.
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Die Krise in Somalia übertrifft nach Einschätzung eines UN-Beauftragten inzwischen die Ausmaße des Darfur-Konflikts im Sudan. "Die humanitäre Situation in Somalia ist schlimmer als in jedem anderen Land", sagte der UN-Vertreter für das ostafrikanische Land, Ahmedou Ould-Abdallah, am 13. Nov. in der kenianischen Hauptstadt Nairobi.
Angesichts täglicher Schießereien zwischen Soldaten und islamischen Rebellen in Mogadischu haben nach Angaben der Vereinten Nationen 173.000 Bewohner die Hauptstadt verlassen. Am 13. Nov. war wieder schweres Maschinengewehrfeuer im Süden von Mogadischu zu hören. Die Regierung hat eine Offensive gegen die Rebellen gestartet, die im Dezember vergangenen Jahres unter Mitwirkung äthiopischer Truppen von der Macht verdrängt wurden.
Die Behörden setzten am 13. Nov. die Unterdrückung unabhängiger Medien fort und schlossen zwei private Radiosender. Der Direktor des Senders Shabelle Media Network, Jafar Kukay, teilte mit, Dutzende von Soldaten seien ins Studio eingedrungen. Er sei zunsammen mit Kollegen vorübergehend festgenommen worden. Damit sind nur noch zwei Radiosender in Mogadischu zu empfangen.
Dezember
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Islamisten haben in der somalischen Hauptstadt Mogadischu am 13. Dez. einen Markt mit Mörsern beschossen und 12 Menschen getötet. Es wurde erwartet, dass die Zahl der Toten weiter steigt. In die Medina-Klinik wurden mindestens 40 Verletzte eingeliefert. Zahlreiche Opfer schwebten in Lebensgefahr, sagte ein Krankenhausarzt.Die Regierung räumte ein, große Teile des Landes nicht unter Kontrolle zu haben.
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Im Norden Somalias haben am 16. Dez. Bewaffnete einen französischen Kameramann verschleppt, der für den Sender Arte unterwegs war. Der Hintergrund der Aktion ist noch unklar. Die Behörden haben schon Truppen zur Rettung des Journalisten entsandt.
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Schwere Kämpfe haben am 22. Dez. die somalische Hauptstadt Mogadischu erschüttert. Wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete, waren Mörserexplosionen und Maschinengewehrfeuer zu hören. Die Geschosse schlugen vor allem in den nördlichen und südlichen Stadtvierteln ein, auch in Wohngegenden. Ob es Opfer gab, war zunächst unklar. Islamisten kämpfen seit Monaten um die Kontrolle über Mogadischu, nachdem somalische Regierungstruppen sie Anfang dieses Jahres mit Unterstützung der äthiopischen Armee vertrieben hatten.
Die Islamisten verloren auch die Macht in anderen Regionen Somalias, die sie seit Mitte 2006 kontrolliert hatten.
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Am 26. Dez. sind zwei ausländische Mitarbeiterinnen der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen entführt worden. Die beiden Frauen seien in der Hafenstadt Bosasso im Nordosten des Landes von bewaffneten Männern verschleppt worden, sagte ein Behördenvertreter der halbautonomen Region Puntland der Nachrichtenagentur AFP. Nach Angaben des spanischen Außenministeriums ist eine der beiden Frauen Spanierin. Die Nationalität der anderen Entführten werde derzeit geprüft, sagte ein Ministeriumssprecher in Madrid.
Ärzte ohne Grenzen wollte in Somalia zunächst keinen Kommentar abgeben. In Madrid sagte ein Sprecher der Hilfsorganisation, möglicherweise komme die zweite Frau aus Argentinien. "Es könnte sich um eine spanische Ärztin und eine argentinische Krankenschwester handeln", sagte Carlos Ugarta im Radio. "Beide arbeiteten für uns in diesem Gebiet."
(Die Entführten wurden eine Woche später frei gelassen. Siehe Chronik vom 2. Januar 2008)
Erst vor gut einer Woche war in Bosasso ein französischer Kameramann entführt worden, der aber am 24. Dez. in der Hand seiner Entführer wieder auf freien Fuß kam. Gwen Le Gouil wollte in Puntland für den deutsch-französische Fernsehsender Arte eine Reportage über Menschenschmuggler drehen. Vor allem die Stadt Bosasso hat sich zuletzt zu einer Drehscheibe für Schlepperbanden entwickelt.
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